Alexander Schleyer gewinnt Kafka-Jugendkulturpreis

Der 25-jährige Alexander Schleyer aus Wien gewinnt mit seinem Gedicht »Vielfalt« den Franz-Kafka-Jugendkulturpreis. Der in Bonn aufgewachsene Nachwuchsschriftsteller reichte insgesamt sechs Gedichte ein, die sein großes Talent belegen. Besonders überzeugt hat »Vielfalt«, weil es die »Alternativlosigkeit« unserer Zeit in wenigen Worten zum Ausdruck bringt. Schleyer ist mit seinem Sieg beim Kafka-Jugendkulturpreis der Nachfolger des Marburger Studenten Ben Niclas Berressem, der 2011 den Rilke-Jugendkulturpreis gewonnen hatte.

Platz zwei belegt der 26-jährige Künstler Arturo Ornelas aus Wuppertal. Der gebürtige Mexikaner hatte sich bereits vor zwei Jahren am Rilke-Preis beteiligt. Damals schaffte er es nicht unter die ersten Drei, jedoch wurde sein eingereichtes Werk mit einer Veröffentlichung in unserem Buch Erste Worte nach dem Gedankenstrich ausgezeichnet. Die nun für den Kafka-Preis eingereichte Zeichnung »amor fati« zeigt, daß der Künstler sich in den letzten zwei Jahren noch einmal bedeutend gesteigert hat.

Platz drei erreichte die 21-jährige Geraldine Reichard aus Bonn. Reichard ist es mit ihrer Kurzgeschichte »Arielle« gelungen, das Thema »Unbegründete soziale Ausgrenzung« kafkaesk umzusetzen. Sie beschreibt ähnlich wie Kafka, wie durch dubiose Anschuldigungen und Vermutungen aus einem Menschen in unserer Gesellschaft ein »Unmensch« werden kann.

Der erste Platz des Kafka-Jugendkulturpreises wird mit 300 Euro honoriert. Der zweite mit 200 und der dritte mit 100 Euro. Die Siegerbeiträge sowie ausgewählte weitere Einsendungen werden im März 2013 veröffentlicht. Zudem ist noch eine Preisverleihung mit Schleyer, Ornelas und Reichard geplant.

Franz Kafka II: Verwandlung und Alternativlosigkeit

1915 veröffentlichte Kafka die Erzählung „Die Verwandlung“. Der kleine Versicherungsangestellte Gregor Samsa verwandelt sich darin über Nacht in ein Ungeziefer. Am meisten fällt dabei die Untätigkeit der Familie auf. Solange sie noch denkt, der in seinem Zimmer eingeschlossene Gregor wäre nur krank, schicken sie seine Schwester um einen Arzt zu holen. Dieser trifft jedoch erst ein, nachdem Gregors Verwandlung herausgefunden wurde und wird abgewimmelt. Die Hoffnung auf Heilung wird von der Angst vor öffentlicher Verurteilung verdrängt. Weiterlesen

Eine erste Einstimmung: Der Franz-Kafka-Jugendkulturpreis 2012 zu „Alternativlosigkeit“

„Alternativlos“ hat es auf Platz eins der Unwörter des Jahres 2010 geschafft. Der Ausdruck ist deshalb so unsinnig, weil es immer unterschiedliche Möglichkeiten gibt. Das Leben ist keine Einbahnstraße und schon gar keine Sackgasse. Diesen Eindruck gewinnt man jedoch, wenn man den gegenwärtigen Eliten zuhört. Die Bekämpfung der Schuldenkrise mit Schulden sei „alternativlos“, der Krieg in Afghanistan sei „alternativlos“, die Rettung insolventer Banken „alternativlos“ und die nächste Steuererhöhung wird ebenfalls – na klar! – „alternativlos“ sein. Die Rede von der „Alternativlosigkeit“ trifft aber auch die Jugend. Einen anständigen Beruf zu erlernen, am besten Jura oder BWL zu studieren, sei „alternativlos“, wenn man mal was werden möchte. „Die brotlosen Künste“ … „ach, hör mir damit auf!“ Weiterlesen