Rilke 2010/11

– in seinen Notizen zur Melodie der Dinge schreibt der Dichter Rainer Maria Rilke: »Ich kann mir kein seligeres Wissen denken, als dieses Eine: daß man ein Beginner werden muß. Einer, der das erste Wort schreibt hinter einem jahrhundertelangen Gedankenstrich.« Hinter dieser Aufgabe steckt eine gewaltige Schwere. Es scheint unmöglich, sie zu erfüllen oder ihrer Erfüllung auch nur nahe zu kommen. Und dennoch bringt Rilke mit diesem Ausspruch eine Wahrheit zur Sprache, die jeder kulturell Engagierte unterschreiben kann. Der Engagierte muß einen Anfang machen: das erste Mal die Geduld aufbringen einen 700seitigen Roman zu lesen; das erste Mal ein Gedicht nicht nur lesen, sondern auch versuchen, es zu verstehen; das erste Mal sich in eine Theorie zu vertiefen, die das Wesen unserer Kultur haargenau beschreibt. Gewiß, das kostet Anstrengung, aber umso schöner ist der Moment, in dem man von einem Gedanken oder einem Kunstwerk überwältigt wird.

Wohl jeder von euch kennt das Gedicht Der Panther von Rainer Maria Rilke. Einige können sicherlich auch etwas mit seinem Roman Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge anfangen. Aber dann dürfte es dunkel werden. Dabei bietet dieser bedeutende Dichter noch viel mehr Facetten. Rilke hat etliche Schriften über Kunst und Literatur angefertigt und suchte nach jungen Talenten, denen er Aufmerksamkeit schenkte, bevor sie berühmt wurden. „Man wird sich diesen Namen unbedingt notieren müssen“, bemerkte er nach der Lektüre der Buddenbrooks des damals noch weitestgehend unbekannten Thomas Mann. Des weiteren hielt Rilke Vorträge über moderne Lyrik und schrieb über und an Künstler wie Auguste Rodin und Paul Cézanne. Wer sich mit Rilke intensiv beschäftigt, der muß seinem Aufruf folgen:„Du mußt Dein Leben ändern!“

Diese Vielschichtigkeit seiner künstlerischen Beschäftigung ist es, warum der Verein Journalismus und Jugendkultur ihn als Namenspatron für einen Preis für literarische und künstlerische Nachwuchstalente ausgewählt hat. Der Rainer-Maria-Rilke-Jugendkultur-Preis fand 2010 das erste Mal statt. Mit ihm sollten junge kreative Talente in diesem Land gefördert werden und eine Bühne zur Präsentation ihrer ersten Werke erhalten.

Thema des Rilke-Preises: „Vergänglichkeit und Zukunft“
Beim Thema „Vergänglichkeit und Zukunft“ waren der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Die Künstler konnten in Gedichtform (Lyrik), in Kurzgeschichten (Prosa) und gern auch in Bildern (Malerei, Fotographie, Animationen) über

  • die Zukunft unseres Landes nachdenken. Wie sieht Deutschland 2030 aus?
  • Werte nachdenken, die der Vergangenheit angehören. Was erwartet ihr demgegenüber von der Zukunft? Welche Werte werden dann unser Leben bestimmen?
  • vergängliche Kultur und zeitlose Kunstwerke reflektieren.

Weitere kreative Ideen waren selbstverständlich immer erwünscht!

Teilnahmebedingungen
Jeder, der das 27. Lebensjahr noch nicht überschritten hatte, konnte am Rilke-Preis teilnehmen. Es konnten von jedem Teilnehmer auch mehrere Werke eingereicht werden.

Preise
Der erste Platz wurde mit 300 Euro honoriert. Der zweite mit 200 und der dritte mit 100 Euro. Gewonnen hat der Marburger Student Ben Niclas Berressem mit dem Gedicht „Imperium Romanum“. Den zweiten Platz belegte die Schülerin Eva Ulrike Henter-Besting. Den dritten Platz erreichte der Künstler Dominik Schmitt. Darüber hinaus wurden die besten Einsendungen in einem Buch abgedruckt. Die Preisverleihung fand auf der Leipziger Buchmesse 2011 statt (siehe Bild).

Buch zum Preis
Die besten Einsendungen des Preises wurden in dem Buch Erste Worte nach dem Gedankenstrich veröffentlicht.

Felix Menzel (Hg.)
Erste Worte nach dem Gedankenstrich
Beiträge zum Rilke-Preis

1. Auflage 2011 (erschienen am 19. März 2011)
Gerhard Hess Verlag
ISBN 978-3-87336-370-0
Hardcover, 144 Seiten inkl. 4 Seiten farbiger Bildteil

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Buchinformation: Dies ist das Werk von über 20 jungen Talenten, die mit Kulturbeiträgen, Kurzprosa, Gedichten und Bildern den ersten Schritt nach einem langen Gedankenstrich gewagt haben.

Ein Verständnis für unsere Kultur kann man nur gewinnen, wenn drei Elemente zusammenkommen: Bewunderung, Kritik und die Übung an eigenen Werken. Dies ist mit Erste Worte nach dem Gedankenstrich gelungen. Das Buch stellt das Ergebnis jahrelanger, intensiver Denkarbeiten vielversprechender junger Autoren vor.

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